Schwarzwald ohne Einkehr!

Vor mehr als 25 Jahren – also kurz nach der Wende – war ich zum ersten Mal im Schwarzwald. Damals dienstlich und zum Kennenlernen unserer Partnergemeinde Schenkenzell. Doch ich war begeistert! Wohl auch vor allem von der intakten Natur, wo doch bei uns gerade ganze Nadelwaldregionen abgestorben waren und sich nun die Wende dahin vollzog, dass infolge zunehmenden Straßen- (insbesondere Schwerlast-)-Verkehrs auch die Laubbäume massiv geschädigt wurden: durch das tückische Ozon!

Im Schwarzwald aber schien die Welt in Ordnung. Die Wälder waren dicht und grün, die Menschen offenherzig und freundlich, und auch der Straßenverkehr erschien uns nicht zu viel.

So freute ich mich natürlich, als sich kurzfristig die Möglichkeit zu einigen Tagen Urlaub mit meinem Dixi im Haslacher Ortsteil Schnellingen ergab. Eine wunderbare Ferienwohnung mit Balkon-Blick auf das Damhirschgehege unserer Vermieterfamilie Müller haben wir gestern bezogen und machten uns heute morgen auf, um den Schwarzwald zu erkunden. Vorerst mit dem Auto – wohl wissend, dass wir mit unserer Kurkarte die öffentlichen Verkehrsmittel auch kostenlos nutzen können.

Zum ersten Halt entschlossen wir uns in Schiltach – trotz seiner ländlichen Lage ein Industriestandort mit mehreren international bekannten Unternehmen. Das hübsche Städtchen entstand im 11. Jahrhundert als Pfarrei für die umliegenden Höfe, welche älter sind als Schiltach selbst.

Nach einem netten Besuch im Informationszentrum brachen wir schließlich auf und fuhren weiter nach Alpirsbach, wo wir unser Auto auf dem Parkplatz am Glaswald abstellten und von hier aus über die Reinerzauer Steige hinauf zur Karls-Quelle wanderten.

Hier oben lebten vor vielen hundert Jahren einer oder mehrere Glasmacher. Ob sie die erforderlichen Holzmengen selbst einschlugen und zu Holzkohle verarbeiteten und wie sie den Quarzsand gewannen, der für die Glasherstellung nötig war – dazu konnte ich nirgends Belege finden. Aber es gibt noch die Quelle, die nach dem möglichen Begründer „Karl“ heißt, und es gibt einen wunderschönen Blick auf die Wiesen unterhalb, die bestimmt auch landwirtschaftlich genutzt worden sind.

Und: wen erinnert das Glasmacher-Handwerk nicht an Hauffs Märchen „Das kalte Herz“? Hier oben kann man sich all die Szenarien rund um Kohlenmunk-Peter, Schatzhauser und Holländer-Michel ganz besonders gut vorstellen.

Nun kommt jedoch der anstrengendste Abschnitt auf unserem Wanderweg: es ist inzwischen so warm geworden – später im Auto sehen wir, dass es wohl 30° gewesen sein müssen. Und die Pollen machen Schnupfen und immer wieder das Atmen schwer. Aber es ist schön. Richtig schön, im dunklen Tannwald!

Unsere 1,5Liter-Wasserflasche ist leer, wir sind kaputt, und sogar mir läuft ständig der Schweiß in die Augen. Geplant hatten wir unseren Mittags-Imbiß in der „Unteren Mühle“ im Kinzig-Tal. Am Rande des Waldes treffen wir jedoch auf ein Hinweisschild und folgen diesem  entgegen unseren ursprünglichen Plänen zum Gasthaus „Adler“ Ehlenbogen.

Welche Enttäuschung aber: Das Restaurant hat geschlossen. Und der Seniorchef oder was auch immer der ältere Herr ist, den wir treffen, erklärt mürrisch, dass „unter der Woche nicht geöffnet wird“. Basta!

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Der „Adler“ in Ehlenbogen – leider geschlossen!

Etwas weiter abwärts und auf der anderen Seite der unerträglich vielbefahrenen B 33 finden wir ein weiteres Hinweisschild auf ein Gasthaus, den „Erlenhof“. Aber auch hier: die Information auf dem Schild ist schlichtweg falsch! Wir schleppen uns dorthin und stehen….. vor verschlossenen Türen!

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Verzweifelt, ausgehungert und ausgetrocknet können wir uns nun doch noch auf unsere Kurkarte besinnen und dass wir ja auch mit dem Bus fahren können. Zum Beispiel in die ursprünglich geplante „Untere Mühle“! Jedoch: der nächste Bus dahin fährt in einer Stunde. Und wer sagt, dass hier entgegen den Angaben im Internet nicht auch nachmittags kein Essen gereicht wird?

Also entschließen wir uns für die kürzere Wartezeit und den Bus in Richtung Alpirsbach, der bereits in einer halben Stunde fahren soll.

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In brütender Hitze harren wir nun im Schatten dieses Wartehäuschens geduldig aus, bis uns endlich der wohlklimatisierte Bus für 3 Minuten aufnimmt und in Alpirsbach wieder aussetzt.

Zuvor jedoch vollbringt Dixi seine heutige gute Tat, indem er einem Huhn den Weg zurück in seinen heimatlichen Zaun zeigt und dieses damit aus seiner tiefen Verzweiflung rettet.

Endlich kommt unser Bus. In Alpirsbach bewundern wir im Vorbeigehen das ehemalige Kloster und wunderschöne Fachwerkhäuser und finden schließlich den „Löwen“. Biergarten ist geöffnet, und eine sehr nette Bedienung gibts auch. Das ist aber auch schon alles. Vor einer Dreiviertelstunde war Küchenschluß – abends gehts wieder weiter! Aber wir bekommen ein leckeres Alpirsbacher Klosterbräu, welches unsere Trinkbilanz wieder etwas aufbessert, sodass wir den Aufstieg zum Parkplatz am „Glaswald“ mit letzter Kraft schaffen können.

Was solls! Wir sind wieder motorisiert und klimatisiert – also reisen wir und Richtung Schnellingen. Auf der völlig „übervölkerten“ B 33 entlang dem beschaulichen Flüsslein Kinzig. In der Hoffnung, doch noch etwas Gescheites zu essen zu bekommen, biegen wir erneut nach Schiltach ab und sehen…. sehen eine geöffnete Restaurant-Tür mit beleuchtetem Flur und Fenstern. Kurz entschlossen und voller Optimismus biegt Dixi auf den nahegelegenen Parkplatz ein, aber:

Auch das „Rössle“ in Schiltach hat für uns geschlossen!

Und auch der „Schwobe-Karle“!DSC06779Was nun? Weiterfahren! In Haslach gibt es Supermärkte. Und wir haben ja mit unserer Ferienwohnung auch eine Küche gebucht! Obwohl keiner mehr Lust und Energie zum Einkaufen oder gar zum Kochen hat….

So fahren wir bald darauf naturgemäß durch Wolfach. Wo wir im Zentrum des Städtchens im Vorbeifahren auf ein geöffnetes Lokal aufmerksam werden und kurzentschlossen und scharf bremsen:

 

„Alibaba“ aus türkischen Landen ist derjenige, der seinen Imbiss geöffnet und uns heute wirklich geholfen hat! Vielen herzlichen Dank!

Und nun unsere Frage an die Schwarzwälder Gastronomen, bei denen wir vergeblich „angeklopft“ haben: Wegen Reichtum geschlossen? Oder meint Ihr, dass Schwarzwaldtouristik auch ohne offene Lokale geht? Kann man sich evtl. auch absprechen? Oder an Hinweisschilder im finsteren Schwarzwald schreiben, dass der entkräftete Wanderer lieber gleich weitergehen und nicht abbiegen soll, weil das Lokal eh geschlossen ist?

Zum Glück sind wir beide unverbesserliche Optimisten und freuen uns sehr auf den neuen Tag und die wunderschöne Schwarzwald-Natur!

 

Sondergenehmigung für alle!

Heute morgen auf der S182 zwischen Altenberg und Rehefeld. Baumassnahmen und Baufahrzeuge halten Winterschlaf. Nur hin und wieder fährt ein Bus des RVD mit Sondererlaubnis…..

Warum, liebes Sächsisches Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV), muss angesichts des hereingebrochenen Winters die Vollsperrung weiter aufrechterhalten werden?

Wir alle – die seit Monaten von 15 km Umweg/Fahrstrecke Betroffenen – können nichts dafür, dass der Baufortschritt nicht wie geplant funktionierte. Dies nun weiter auf uns auszutragen, ist nicht fair!!!

Ich hätte auch gern eine Sondergenehmigung zur Befahrung der S 182!

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„Muttergitter“

Kürzlich erzählte mir eine ältere Patientin, dass sie als Kind zweimal im Jahr von Zinnwald aus über „Muttergitter“ nach dem ehem. Grünwald gelaufen sei. Warum das Areal rechterhand der Straße zwischen Zinnwald und Niklasberger Kreuz „Muttergitter“ geheißen hat, konnte sie mir allerdings nicht sagen.

Alexander Loos von der facebook-Gruppe Teplitz-Schönau und Umgebung gab mir heute den wichtigen Hinweis, dass „Muttergitter“ der erzgebirgisch-mundartlich geprägte Begriff für „Muttergüter“ gewesen sei.

Was sind aber nun wiederum „Muttergüter“?

Hier nun muss man erst etwas im Urschleim graben: Vor ca. 9000 Jahren oder noch eher entstand  der Beruf des „Zeidlers“. Zeidler waren sog. Bienenwärter, die Bienen nicht in gezimmerten Bienenstöcken oder Bienenkörben sondern in alten Bäumen hielten. Sie hieben in etwa 6 Metern Höhe künstliche Höhlen in die Stämme und versahen den Eingang mit einem Brett mit Flugloch. Ob diese „Beuten“ von Bienen beflogen wurden oder nicht, war mehr oder weniger Glückssache, hing vom natürlichen Umfeld ab und wechselte von Jahr zu Jahr. Um die mühsam geschlagenen Beuten so lange wie möglich zu erhalten, entwipfelte man die Bäume um Windbruch vorzubeugen.

Eigens zum Schutz und Erhalt der Zunft der Zeidler, welche beispielsweise an Kaiser Karl IV. (1350) Honiggeld oder Honigzins zu entrichten hatten, entstand in Nürnberg (wohlgemerkt: hier gab es wohl schon damals die bekannten Nürnberger Lebkuchen, für die viel Honig gebraucht wurde) ein Zeidlergericht. Festgeschrieben war auch, dass größere Mengen des Nebenprodukts Bienenwachs (aus dem „Honigschneiden“ = „zeideln“, altdt.)  an den Stephansdom Wien zu liefern waren. Interessanterweise wurde das Zeidelrecht nie aufgehoben, besteht im „Bienenparagraphen“ des BGB also noch immer.

So, nun zurück zum „Muttergüter“. Dies bezeichnete also ein vererbbares Areal, das einem Zeidler gehörte, der sich dort der Wartung von wilden Bienen und Gewinnung von Bienenprodukten widmete. Dieses Areal konnte auch geteilt werden, sodass „Zeidel-Töchter“ entstanden. Diese Flächen unterlagen den Bestimmungen des Zeidlergerichtes.

Ausserdem gab es aber auch „einschüchtige Zeidler-Güter“, welche von einfachen Bauern betrieben wurden, die keine Zeidler waren. So war das!

Das meiste zu diesem interessanten und umfangreichen Thema steht in „Der fränkische Bienenmeister“ von Johann Christoph Hirsch (1767).

Nun aber zurück zum „Muttergitter“ zwischen Zinnwald und Niklasberger Kreuz: Offenbar gab es in früheren Zeiten auch hier oben bereits Zeidler, die sich darauf eingerichtet hatten, im rauhen erzgebirgischen Wald mit den „Schneiden“ von Honig den Lebensunterhalt für ihre Familien zu verdienen. Für mich eine völlig neue Erkenntnis!

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Loučná (Wieselstein)

Für den heutigen Reformationstag versprachen die Wetterfrösche bestes Wetter, wenn auch heute morgen die Wiesen im Rehefelder Weißeritztal erstmal ganz dick bereift waren. Gute Gelegenheit also, in aller Ruhe erstmal die Blumenkästen wintergemäß zu bepflanzen und den Tag zu planen. Ergebnis: bevor die Fahrräder in den endgültigen Winterschlaf versetzt werden, sollen sie ruhig nochmal mit uns auf Tour gehen – auf den mit 955,9m höchsten Berg des Osterzgebirges, den Loučná (Wieselstein) bei Dlouhá Louka (Langewiesen).

Von Rehefeld aus dauerte es später nur etwa 1/2 Stunde, in der wir gemütlich durch noch immer schattigen und kühlen Wald radelnd Nové Město (Neustadt) erreichten. Hier oben war es endlich richtig sonnig, wenn auch noch immer kalt und windig.

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Ab Ortsausgang von Nové Město verfolgten wir den Radweg 23 von Děčín nach Cheb (insgesamt 249km lang)
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Am Vrch tří pánů (Dreiherrensteinberg, 875 m) – ehemals eine Handelsstraße von Böhmen nach dem sächsischen Rechenberg
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Dieser kleine See an der Straße nach Dlouhá Louka soll das Zentrum des 1945 „geschliffenen“ 200-Seelen-Dorfes Vilejšov (Willersdorf) gewesen sein – eine Neubesiedlung durch tschechische Bürger schlug endgültig fehl als Ende der 1950er Jahre die Talsperre Flaje gebaut und Vilejšov den Auflagen eines Trinkwassereinzugsgebietes unterworfen wurde.

Am oberen Ortseingang von Dlouhá Louka bogen wir nach rechts ab und radelten die ca. 2 km bis zum Zaun des fast 2000 ha großen Wildgeheges Fláje.

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Im 18. Jahrhundert wurde das riesige Wildgehege Fláje angelegt und eingezäunt. Heute leben hier 300 Stück Rotwild, Birkhühner, Schwarzstörche, Uhus, Kaiser-, Seeadler und viel anderes seltenes Getier.

Als ich das obige Foto gemacht habe, hatten wir den extrem steilen Anstieg auf den Loučná gerade hinter uns. Von Abschlag zu Abschlag hatten wir uns und unsere schweren e-Bikes auf dem gefühlt 30%igen Anstieg nach oben gequält. Was uns aber nun hier oben erwartete, war das alles mehr als wert. Was sich als erstes einstellte, war dieses GEFÜHL…..! Das Gefühl, das unbeschreiblich ist und das nur der kennt, der Weite mag. Und jeder, der es mag, ganz, ganz oben zu sein und all das unten im Tal unten lassen zu können.

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Ein gigantischer Blick vom Wieselstein – allerdings sieht man von hier aus auch die gruselige graubraune Wolke, die über Litvinov hängt!

Wir erlebten dieses Fleckchen Erde als etwas ganz besonderes, etwas, wovon wir noch ganz, ganz lange zehren können – ein Eldorado für Naturliebhaber, für Gefühlsmenschen und …… ja, auch für Kletterer.

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Das einzige Gebäude hier oben: ein Unterstand für Wanderer und Radfahrer
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Der obere Teil des Gipfel-Granitfelsens
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Vogelbeerbäume sind die, die hier oben am allerbesten wachsen

Nachdem wir die herrliche Aussicht und die gigantische Felsformation ausgiebig erforscht hatten, machten wir uns über unser „Mitgebrachtes“ her: trocken Brot, Knacker, Kräutertee und Mandarinen. Lecker, sag ich Euch! Dazu dieser Blick! Bis ich auf einmal einen riesigen Vogel hoch oben über Dlouhá Louka sah. Zuerst meinte ich, dass das ein Drachen sei. Und zeigte ihn meinem Dixi. Der wiederum tippte auf einen größeren Greifvogel, verwarf das dann aber doch wieder, als in unserer Nähe riesige Rabenkrähen auftauchten und wir den Riesenvogel eben auch als solchen einordneten. Erst als ich im heimischen Sessel über das Getier im Wildgehege Flaje las, konnte ich das riesige Flugtier zuordnen: es war ganz, ganz sicher ein Östlicher Kaiseradler (Flügelspannweite 1,76 bis 2,16m)! Wahnsinn! Und schön, dass es so etwas gibt! Und das sogar in unserer unmittelbaren Nähe!

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Langsam wurde es Zeit, uns auf den Heimweg zu machen. Eigentlich wäre es mein Wunsch gewesen, erst noch die Talsperre Flaje zu tangieren. Doch angesichts unserer Akkus, die nur noch recht überschaubar gefüllt waren, entschieden wir uns für die kürzeste Heimwegs-Variante – also die über das ehemalige Dörfchen Vápenice (Kalkofen).

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In diesem Jahr erscheinen Lärchen und Birken besonders golden
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Eine ehemals bebaute Willersdorfer Fläche
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Arg gebeutelte Birke am Wegrand
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Windräder bei Dlouhá Louka (im Hintergrund der Stürmer)
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Auf dem Weg nach Kalkofen – es gibt nach dem langen und extrem trockenen Sommer sogar wieder Pfützen!

Endlich in Kalkofen angekommen erlebte ich für mich den eigentlichen Höhepunkt des heutigen Ausfluges: die Fläche zwischen Forsthaus, Gasthaus Günther und Scheune, die in den vergangenen Monaten von wildem Rhabarber überwuchert war, war heute nur noch noch. spärlich bewachsen und damit richtig gut überschaubar. Endlich kann ich mir nun vorstellen, wo welches Gebäude stand!

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Heuernte in Kalkofen in den 1930er Jahren
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Das sollte etwa die gleiche Ansicht sein wie das obige Foto aus dem vorigen Jahrhundert (Heuernte in Kalkofen)
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Das ist der Blick in die Gegenrichtung – also von Günthers Gasthaus „Zur fröhlichen Einkehr“ in Richtung des Bornhau-Stollens und der beiden Mühlen
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Überreste des einst weithin bekannten und beliebten Gasthauses der Familie Günther aus Kalkofen

Letztlich konnten wir heute auch noch die Grundmauern des Forsthauses untersuchen und eruieren, dass der Flieder, der im Frühsommer so schön geblüht hatte, an dessen Vorhäusl gestanden haben muss. Ebenso wie ganz sicher auch die Kletterrose, deren verwilderte Nachfahrin noch immer existiert. Und an der linken Seite des Forsthauses stand die Kastanie, die heute ein riesiger gesunder Baum geworden ist, der in diesem Jahr unheimlich viele Früchte getragen hat. Wie an den vielen Schalen auf dem Boden zu erkennen war – ganz sicher von den inzwischen immer zahlreicher werdenden Wildschweinen geknackt! Aber wir haben trotzdem noch einige wenige finden können, die wir nun im benachbarten Rehefeld zu Kalkofen-Kastanien ziehen werden! Auf dass auch dieser Baum mit seiner langen Geschichte die Chance bekommt, sich fortzupflanzen und nicht in Vergessenheit zu geraten!

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Erster Schnee

So wie auf dem Titelbild sah es gestern nachmittag vor unserem Küchenfenster aus: Pelargonien in voller spätherbstlicher Pracht und nur wenige Meter davon der erste Schnee! So alt wie wir inzwischen sind und so oft, wie wir das schon erlebt haben: wenn die ersten Flöckchen vom Himmel tänzeln, ist das immer wieder etwas ganz Besonderes!

Aufgeregt und voller Freude – ganz genauso wie in meinen Kindertagen – war ich, als endlich einzelne Flocken auszumachen waren und recht bald die Wälder und Wiesen ringsum weiß wurden.

Und wenn man älter geworden ist, schweifen die freudigen Gefühle unweigerlich zurück in die Kindheit! Die Gefühle waren wohl damals genau die gleichen wie heute, führten aber zu völlig anderen Aktivitäten: Heute ist es die Kamera, damals war es u.a. der Schulranzen! Ja, Ihr lest richtig – der war aber Anfang der 60er noch aus Leder und hatte schon mindestens 2 oder 3 Grundschulzeiten überlebt. Beste Voraussetzung dafür, dies und jener Situation angepasst Verwendung zu finden. In diesem Fall als Schlitten, auf dem wir Gören den Schulberg hinunter – an der Kirche vorbei – hinunter ins Dorf sausen konnten. Immer auf der Hut davor, dass uns der Lehrer, der Pfarrer oder irgendein anderer Erwachsener dabei erwischt, dass wir den einzigen Zufahrtsweg nach oben glatt und unpassierbar machten.

Als eine etwas unangenehmere Erinnerung ist mir der winterliche kilometerlange Schulweg in Erinnerung geblieben. Damals hießen Jogging- noch Trainingshosen, waren jedoch die wärmste Art der Beinbekleidung, dafür allerdings auch ganz schnell durchnässt, wenn sie mit Schnee in Berührung kamen. Genauso wie die alten ledernen Schuhe, die ich vom älteren Bruder geerbt hatte. Und die natürlich auch bei ihm keinesfalls neu waren. Das Leder völlig verschlissen, hatte das natürlich für mich zur Folge, dass ich mit eisigkalten Füßen im Klassenzimmer ankam – wie die anderen 2 oder 3 Kinder, die den gleichen Weg hatten, natürlich auch. Aber unser guter Lehrer hatte längst schon den Kachelofen angeheizt und eine Schüssel mit heißem Wasser bereit gestellt, in der viele kleine Füsse Platz fanden und bald wieder richtig aufgewärmt waren.

Später, als ich etwas älter war, bekam ich Skier geschenkt. Auch die hatten schon einige Jährchen und etliche Besitzer überlebt. Sie waren komplett aus gutem Holz und hatten eine Skibindung aus Lederriemen, mit denen die ganz normalen ledernen Winterschuhe angeschnallt wurden. Und sie mussten den Sommer über gespannt werden, damit die Spitzen oben blieben und der Bereich unter der Bindung hohl, damit die Bretter bei der Abfahrt gut federten.

Einen Nachteil hatten die guten Holzbretter: wenn man nicht genau das richtige Wachs erwischt hatte, pappte der Schnee dermassen (gut) an, dass mitunter bis zu 1/2 Meter Schnee darunter gerade mal mühsames Schritt-für-Schritt-Wandern erlaubten – nicht aber flottes Abfahren.

Einmal jedoch – ich muss wohl so 15 gewesen sein – lag mal wieder etwas mehr Schnee. Das bedeutete in meinem 350 Meter hoch gelegenen Heimatdorf etwa 20-30 cm. Immerhin ausreichend, um aus mühsam zusammengekratztem Schnee eine Sprungschanze zu bauen. Das war mal etwas für meinen Geschmack! Allerdings dauerte es gar nicht lang, bis unterhalb des Schanzentisches das bissel Schnee aufgebraucht war. Und es war mein Pech, dass ich beim nächsten Sprung meine tollen Skier verkantete und  nach immerhin 9 Metern mit einer der Spitzen im Gras hängenblieb… Das Ergebnis könnt Ihr Euch wohl ausrechnen: ich landete sowas von auf dem Kopf – diesen Schmerz und diese zeitweilige Ohnmacht kann ich noch heute fühlen!

Erst viel später – als ich dauerhaft im schönen Erzgebirge gelandet war – leistete ich mir meine ersten „guten“ Skier: plastebeschichtet und mit angeschraubten Stahlkanten! Aber vom Skispringen habe ich für immer abgesehen!

Wieviele Schifflein müssen wohl noch auf den Pfützen kreuzen…?

….. bis die S 182 von Rehefeld nach Altenberg und durch Rehefeld hindurch endlich wieder befahrbar ist? Dazu musste ich heute weniger Optimistisches – allerdings dafür Verständliches erfahren:

Die Region um Rehefeld herum ist eine der 4 Modellregionen im Freistaat Sachsen. die in relativ wenigen Jahren tiptop Straßen erhalten sollen. Das würde feststehen – gleichzusetzen dem Amen in der Kirche!

Modellregion heißt jedoch nicht nur: in kürzester Zeit neue Straßen. Nein, die wollen ja auch gebaut sein. Und dazu braucht es nicht nur Geld, fertige Planungen und Baufirmen, sondern auch Platz für sinnige Umleitungen. Und das sei auf der relativ eng bestraßten Fläche der Modellregion 1 äußerst schwierig.

Was zur Folge hat, dass im kommenden Jahr die Kammstraße bis zur Kreisgrenze in Höhe Reichenauer Butterstraße gebaut werden soll und auch die zwischen Holzhau und Rechenberg. Was wiederum bedeutet, dass besagte Ressourcen (Geld, Planungen, Firmen, Umleitungen) ausgeschöpft sind. Punkt! Dies heißt, das wir Rehefelder, die Tag für Tag nach Altenberg zu fahren haben, dies im kommenden Jahr ohne Umleitung tun können! Die Verbindungsstraße wird erst 2020 wieder auf dem Bauprogramm stehen. Wie auch die Ortsstraße – diese mit hoher Wahrscheinlichkeit  sogar noch ein Jahr später!

Gebs Gott also, dass unser Angler am Schlagloch auf der S 182 bald keine Fische mehr räuchern kann. Sowas gehört einfach nicht auf die Straße!

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Hommage an Jena

Die Fahrt in eine Herbst-Ferienwoche in Jena beginnt auf dem Kamm des Erzgebirges. Mit reichlich Nebel, aber wunderschöner Färbung herbstlichen Laubes.

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Weg zur „Weicheltmühle“ – von der Kammstraße zwischen Rehefeld-Zaunhaus und Frauenstein aus gesehen

Im Auto ein Sohn und 5 Enkel und nach 2 Stunden Fahrt 2 Airstreams auf dem Campingplatz Jena-Ost am Fusse des Jenzig – das lässt einige perfekte Tage in einer wunderbaren Stadt erwarten.

Am ersten Abend in freier Natur besuchen uns meine Tante Imme und Onkel Dietrich und sind genauso begeistert wie wir, endlich mal wieder Knoblauch essen zu können – ohne die permanente Furcht, damit Mitschülern, Arbeitskollegen, Patienten und allen möglichen anderen Mitmenschen auf die Geruchsnerven zu gehen. Weiße Zehen der gesunden und leckeren Knolle auf langsam in Butter gebratene Brotscheiben gerieben, hhhmmmmm, das ist wirklich das Beste! Heute Abend so gut und so lecker, dass wir für den folgenden Tag lieber vom ursprünglich geplanten Planetariums-Besuch absehen.

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Airstreams auf dem Campingplatz Jena-Ost

Wir beschließen stattdessen, lieber erstmal einen größeren Ausflug zu unternehmen. Eine reichliche Stunde entlang Saale und Orla fahren wir und enden etwas ausserhalb von Saalfeld an den Feengrotten – dem ehemaligen Alaunschieferbergwerk „Jeremias Glück“. Sie wurden übrigens 1993 im Guiness-Buch der Rekorde mit dem Titel „Die farbenreichsten Schaugrotten der Welt“ gekürt.

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Vor der Befahrung der Feengrotten gibt es das obligatorische Gruppenfoto
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Der Märchendom
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Mineralienwäscher vor den Toren der Feengrotten

Unsere 5 eifrigen kleinen Bergleute sind nach ihrer „Schicht“ so geschafft, dass sie nach einem kurzen, aber deutlichen Ordnungsbefehl im Auto sofort in tiefen Schlaf verfallen. Für uns Erwachsene heisst das, dass wir die Heimfahrt möglichst lang gestalten sollten, um den Kiddies ausreichend Schlaf zu ermöglichen. So fahren wir über schmale Dorfstraßen links der Orla – jeder Ort, der an uns vorüberzieht, ist ganz sicher einen Extra-Ausflug wert: die Heidecksburg in Rudolstadt, das Wasserschloss Großkochberg, aber auch die kleinen, hübschen Dörfchen wie Kirchhasel, Kuhfrass, Engerda oder Heilingen. In der Ferne können wir den Luisenturm und die Burgruine Schauenforst ausmachen – all das umgeben von bunten Laubwäldern und zahlreichen Streuobstwiesen mit unglaublich reicher Ernte. Die Besitzer mögen uns verzeihen, dass wir so manchen wohlschmeckenden Bio-Apfel eingesammelt haben und damit unsere kurz vor Jena wieder aufgewachten Kinder erfreuen konnten.

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Zurück in Jena steuern wir als heutiges Highlight den JenTower an. Der ehemalige Turm der „Friedrich-Schiller-Universität“ ist 144,5m hoch und seit etwa 2000 das höchste Bürogebäude der neuen Bundesländer. Zum Glück gibt es einen recht flotten Fahrstuhl, mit dem wir in das 28. Stockwerk fahren und von hier oben aus – wenn auch mit recht zittrigen Beinen – die überaus schöne Aussicht über Jena und Saaletal bestaunen.

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Der abendliche JenTower

Auch der folgende Tag verspricht ein sonniger zu werden. Hier unten im Saaletal allerdings herrscht dicker Nebel. Die uralten Pappeln zwischen unseren Airstreams ziehen die vielen feuchten Tropfen dankbar an – mehr als die Blätter für sich behalten können. So erscheint es beim Aufwachen als würde Regen aufs Dach tropfen. Das trügt jedoch, auch der heutige Tag wird sonnig werden…..

Bald nach dem Frühstück in froher Runde – Tante Imme und Maja, die kleine Tochter meiner Cousine – leisten uns heute Gesellschaft – fahren wir vorerst mit dem Auto saalabwärts in Richtung Kunitz. Erster nachhaltiger Eindruck ist unterwegs der riesige steinerne Erlkönig am Fuss des Jenzig.

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Wer kennt nicht Goethes Ballade vom „Erlkönig“? Genau hier, an dieser nebligen, abgelegenen Stelle kann man sich so richtig vorstellen, was Vater und Kind auf dem langen Ritt von Kunitz zum Arzt nach Jena durchgemacht haben mögen:

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

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Blick von Kunitz zur Jenaer SaaleHorizontrale Hufeisen

Vom Parkplatz in Kunitz aus lässt sich über Kunitzburg und „Hufeisen“ endlich blauer Himmel und Sonnenschein erkennen – allerdings erst oberhalb einer dicken Nebelschicht. Das macht Hoffnung und selbst unsere vielen Kinder ziehen frohgemut los, um schnell die Burgruine hoch oben am Berg zu erobern.

Unterwegs bietet sich noch einmal ein eindrucksvoller Blick zurück auf Jena, welches wunderschön eingebettet zwischen Landgraf, Jenzig und Fuchsturm entlang der Saale gelegen ist.

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Blick auf Jena
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Die Burgruine Kunitzburg

Oben auf dem ehemaligen Burghof angekommen gibt es endlich zu essen und zu trinken: Semmel, Knackwurst, getrocknete Apfelscheiben, Gummibärchen und sehr leckeres Leitungswasser vom Campingplatz. Diese Stärkung tut auch wirklich not, denn nun erwarten uns über 7km Wanderung auf dem „Hufeisen“ bis zum Jenzighaus. Selbst unser jüngster Mitläufer, der 4jährige Richard weigert sich bald nicht mehr, in ehemals Majas Karren der Marke Eigenbau zu steigen…..

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Wegweiser auf dem Hufeisen
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Die von allen Kindern überaus begehrte Karre Marke Eigenbau
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Kurze Rast und Motivation aus der Haribo-Tüte

Vorletzter Tag in Jena: Ein Muss ist da heute noch das Planetarium und am Nachmittag der Besuch am Grab meiner verehrten Oma Helmi und ihres Mannes, den ich nicht kennenlernen durfte, auf dem Ostfriedhof. Und auf dem Rückweg natürlich ein kleiner Halt an ihrem Haus in der Brändströmstraße, wo ich als Kind und Teenager von meinem Gefühl her öfter gewesen bin als bei meinen Eltern und Brüdern in Wolfersdorf.

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Oma Helmis Grab – Mittelpunkt unseres Blumenstrausses ist eine wunderschöne Chrysantheme, welche sie sehr mochte

Der letzte Höhepunkt unserer Ferientage soll eine Schlauchbootfahrt auf der Saale werden – quasi schon auf dem Heimweg, denn anschließend geht es direkt auf die Autobahn.

Doch der Reihe nach: Der Bootsverleiher sea-sports Jena-Burgau hat um diese Jahreszeit leider schon aus allen Schlauchbooten die Luft raus gelassen. Bis auf eines! Der Tag ist gerettet:

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Auf dem Weg zur Einsetzstelle bei Schöps
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Die Autobahnbrücke A4 bei Jena-Lobeda
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Graffiti-Kunst am Brückenpfeiler
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Herbst auf der Saale
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Herbstliche Saaleufer bei Jena-Burgau

Ja, und dann sind die schönen Tage irgendwann endgültig vorbei. Schade! Das einzige, was mir erstmal bleibt, sind die schönen Erinnerungen und die Bilder…… und volle Wäscheleinen. Zum Glück wieder im strahlenden Sonnenschein!

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Zurück im heimatlichen Rehefeld

 

Ich bleib, wie ich bie….

„Ich bleib, wie ich bie!

Wie ich bie, steh‘ ich do,

und wer mich ni will,

der guckt mich nie o‘!“

Dies nette Gedichtl – wohl aus der Feder von Max Tandler – servierte mir gestern selbstbewusst eine der ersten Mieterinnen im neuen advita-Haus Altenberg.

Bildschirmfoto 2018-10-03 um 20.25.34Sie ward einst aus Böhmisch-Zinnwald vertrieben und lebte zuletzt viele Jahrzehnte in Dresden. Nun hat sie die Chance genutzt, um in ihre alte Heimat zurück zu kehren.

Ganz bestimmt wird Sie uns noch viel erzählen können aus ihrem langen, bewegten Leben! Und wir advita-Mitarbeiter/innen werden alles unternehmen, um ihr die neue/alte Heimat so zu gestalten, dass sie gern wieder hier oben auf dem Kamm des Erzgebirges lebt!

Der Ota ist nicht da!

An der Straße zwischen Moldau (heute: Moldava) und Neustadt (heute: Nové Město) und unweit des Abzweiges nach Langewiesen (ehem.: Dlouhá Louka) stand einst das Gasthaus „Torfwerk“. Wahrscheinlich bis zur Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland wurde es von den damaligen Wirtsleuten als gutgehende Einkehr betrieben.

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Möglicherweise war es der Sohn eines der ehemaligen Gäste, der Mitte der 1960 Jahre wiederum mit seinem kleinen Sohn zum früheren Gasthaus kam.

Inzwischen allerdings lebte hier der Jäger Ota Perner mit seiner Familie.  Längst war die Zeit vorbei, in denen zahlreiche Wanderer und Gäste aus den umliegenden Dörfern einkehrten und sich an einfachen, aber wohlschmeckenden Speisen stärkten und miteinander so manchen guten Tropfen tranken.

Unser Wanderer aus den 60ern wusste das allerdings nicht. Er betrat frohen Mutes mit seinem Söhnchen den ehemaligen Gastraum und setzte sich an einen Tisch. Es dauerte gar nicht lange, bis die freundliche Hausfrau Perner eintrat. Sie sah die unerwarteten Gäste in ihrer Stube sitzen und vermutete, dass sie gekommen waren, um ihren Mann zu besuchen.

Folglich gab sie den beiden Auskunft: „Mein Ota ist noch unterwegs. Ihr müsst Euch nur ein Weilchen gedulden – er kommt bald nach Hause!“ Darauf der Wanderer: „Wann Ihr Mann heim kommt, ist mir egal! Ich hätte nur einfach gern ein Bier für mich und eine Limo für meinen Sohn!“

Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken!

Diese traurige Wahrheit von Isaac Newton kam mir gestern in den Sinn, als ich nach eine Antwort von der Altenberger Stadtverwaltung erhielt auf meine Email vom 30.07. d.J. – dies allerdings erst auf erneute Nachfrage…..

Ich hatte vor 2 Monaten auf die marode Holzbrücke zwischen Rehefeld und der Moldauer Gemarkung (Tschechien) hingewiesen, welche einst wohl von der Moldauer Bergwacht gebaut worden war. Um unsere Länder und unsere Menschen zu verbinden – im Sommer für Wanderer und Radler und im Winter für Skifahrer. Ein tolles, wenn auch einfaches Projekt!

Inzwischen ist allerdings im Laufe der Jahre und als Folge reger Nutzung das verwendete Brücken-Holz verrottet und dabei, wieder Bestandteil der umgebenden wunderschönen Natur zu werden. Unfälle mit Personen- und Sachschäden sind inzwischen vorprogrammiert, und die beliebten und gut genutzten, grenzüberschreitenden Rad-, Wander- und Skiwege auf deutscher und tschechischer Seite stehen in Frage.

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Zwischen den Brückenbrettern siedeln sich erste hübsche Weidenröschen an – leider fördern sie aber auch den Verrottungsprozeß
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Der mittlere (tragende) Balken der Brücke über den Gr. Warmbach ist verrottet!
Mit der gestrigen Antwort-Mail habe ich jetzt immerhin schon die schriftliche Zusage, dass sich „aufgrund eines Reparaturstaus“ die Altenberger Stadtverwaltung ab Frühjahr 2019 gemeinsam mit dem Rehefelder Ortschaftsrat „meiner“ Holzbrücke widmen wird…
Nun bin ich wirklich gespannt, wann sie dann tatsächlich neu gebaut wird! Wenn es ein Dreiviertel Jahr dauern soll, bis man sich erstmal damit beschäftigt ……

Was wird wohl die Zukunft bringen?

Diese Frage stellt sich wohl jeder von uns mehrmals im Laufe seines Lebens. Ich frage mich das in letzter Zeit immer öfter: 

  • seitdem in meinem Dorf immer mehr Häuser leerstehen, verfallen und geplündert werden,
  • während in den Städten Angebot und Nachfrage Mietpreise immer mehr unbezahlbar machen,
  • seitdem mehr oder weniger alle Wirtschaftsbereiche Arbeitskräfte suchen und inzwischen unsere alten Menschen nur noch versorgt werden können, weil sich Politik und Kassen auf die guten, uneigennützigen Herzen der Pfleger/innen verlassen… und die Kassen nebenbei immer höhere Gewinne einfahren und Reserven (wofür?) anhäufen,
  • seitdem die Regierung ebenjenen Staates, dessen Volk nach dem Ende des grausamen Zweiten Weltkrieges geschworen hatte, dass von deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgehen dürfe – seitdem diese, vom Volk demokratisch gewählte Regierung immer wieder Kriegseinsätze deutscher Soldaten in aller Welt gutheißt,
  • seitdem Verbindungsstraßen monatelang gesperrt werden, weil endlich – seit Jahrzehnten! – mal Geld in die Hand genommen wurde, um der Verschotterung Einhalt zu gebieten,
  • seitdem in meinem Dorf vor kurzem so einfach mal Festnetz und Mobilnetz tot waren – eine ganze Woche lang,
  • seitdem genauso unangekündigt kürzlich in der hochproduktiven Stadt Glashütte mitten an einem Werktag plötzlich für eine Stunde der Strom ausfiel
  • seitdem …….. 

Diese Liste ließe sich wohl beliebig lange fortsetzen und ergänzen um Ereignisse, die in einem der fortgeschrittensten Länder der Erde unglaublich erscheinen. Und die – wenn sich solche unglaublichen Ereignisse so wie in den vergangenen Wochen und Monaten häufen – nachdenklich machen!

So geschehen zuletzt vor zwei Stunden: Ich hatte nach 3 Wochen endlich mal wieder mein Bügelbrett und einen Riesenkorb Wäsche aufgebaut und das erste Bein einer Hose gebügelt. Schließlich wollte ich auf meiner 2tägigen Dienstreise ab morgen ordentlich gebügelt erscheinen. Mein Dixi saß auf seiner Couch und genoß seinen Feierabend bei Sudoku und nebenher laufendem Fernseher. 

Diese Idylle endete jedoch mit einem Mal, als leise der Fernseher und das Licht ausgingen. Folgerichtig so nach und nach auch mein Bügeleisen…..

Nach einem Blick aus dem Fenster meinte Dixi, dass das ganze Dorf dunkel sei und ob wir Kerzen hätten. Worauf mir als erstes nur einfiel, dass genau dieser Zustand in meinen Kindertagen nicht unüblich war und Kerzen und Streichhölzer immer an einer bestimmten Stelle bereit lagen. Nicht aber heute bei uns! Das war aber nicht schlimm – als inzwischen eingefleischter Erzgebirgler gogelt man ja nicht nur vor Weihnachten…. Also holte ich Kerzen und tröstete mich nebenher, dass ja bestimmt wie beim kürzlichen Vodafone-Netzausfall wenigstens das Internet ginge. Doch damit lag ich völlig daneben. Es ging gar nichts. Ausser den in besseren Zeiten geladenen Geräten…

So kann Dixi nun – 2 Stunden nach Beginn des Stromausfalls – noch immer Sudoku rätseln, und ich mir meinen Frust und meine Gedanken vom Leib schreiben.

Zuvor war ich nochmal kurz dem Trugschluss erlegen, dass ich ja nun endlich mal den Stapel von Uralt-Postkarten scannen könne, was ich schon ewig vor mir herschiebe. Zu selbstverständlich ist auch in meinem Gehirn Strom aus der Dose gespeichert…… Es ging also nicht! Wir waren wirklich völlig abgestellt: kein Strom, kein Telefon, kein Internet und letztlich auch kein Wasser……

Gerade nämlich haben wir uns überlegt, dass wir später beim Duschen Wasser sparen müssten, weil ja die Hauswasseranlage ohne Strom keinen Druck in der Leitung aus dem Wald hinter dem Haus aufbauen kann. Und ich habe mir schon ausgemalt, wie ich morgen früh Wasser auf dem holzbetriebenen Küchenherd wärmen muss, damit ich mich mit ordentlich gewaschenen Haaren auf meine Dienstreise machen kann….. Genau da kam der Strom zurück!

Wie im Märchen – als nach 100 Jahren der Prinz das Dornröschen wach küsste – setzte das Leben wieder ein. Als sei nichts geschehen!